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Der Begriff „Konkrete Poesie" taucht Mitte der 50er Jahre in mehreren Ländern gleichzeitig auf und bezeichnet eine Literatur, die sich – ähnlich wie die 1930 zuerst von Theo van Doesburg propagierte Konkrete Kunst – nur noch auf ihre eigenen Mittel beziehen möchte. Worte, Buchstaben, Satzzeichen werden aus dem Zusammenhang der Sprache gelöst und treten dem Betrachter „konkret" gegenüber. Es handelt sich um eine stille, meditative Kunst, die sich auch als Gegenpol zur sprachlichen Reizüberflutung der täglichen Umwelt versteht. Indem Sprache als Material behandelt wird und in bildhaften „Konstellationen" (Eugen Gomringer) auftaucht, wird sie international, denn man kann beispielsweise die „konkrete" Verbildlichung des Wortes „Wind" durch auf dem Blatt verwehte Buchstaben auch ohne Kenntnis der Wortbedeutung verstehen. Tatsächlich ist die Konkrete Poesie eine internationale Bewegung gewesen, mit Zentren in Brasilien (die Noigandres-Gruppe), Canada (bp Nichol, Bill Bissett), USA (Emmett Williams, Robert Lax), den deutschsprachigen Ländern (Heinz Gappmayr, Ernst Jandl, Gerhard Rühm, Franz Mon, die Stuttgarter Gruppe um Max Bense, Helmut Heissenbüttel und Reinhard Döhl), Frankreich (Henri Chopin, Pierre Garnier, Bernard Heidsieck), Italien (Ugo Carrega), England (Bob Cobbing, Dom Sylvester Houédard), usw.
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